Daniel


 

Dieser Vorverstärker erschien als Bauvorschlag in Audio Amateur 2/85 von Joe Curcio , der ihn nach seinem Sohn benannte . Und er ist in der Tat ein aufregendes Kind , für mich einer der besten RIAA - Entzerrer , den ich je gehört und gebaut habe und das waren nicht gerade wenige . Begonnen hatte es vor vielen Jahren mit den üblichen 2 -Transistorentzerrern , dann kamen die NE 5534 Varianten , diskrete OP - Amps mit BC und 2 N irgendwas , MAT 02 usw . Schließlich die ersten Röhrenentwürfe nach Dynaco PAS 3 X und Audio Research SP 3 , natürlich mit allen Modifikationen aus der seit 1970 abonnierten Audio Amateur ( Vorgänger von Glass Audio ) , dem "Last Pas" von David Vorhis . Es folgte SRPP nach Elektor und Jean Hiraga ( L´Audiophile ) und weitere angefangene Projekte , die dann irgendwann in einer Ausschlachtkiste wieder verschwanden . Ich hatte in der Zwischenzeit mit exzessiven Röhrensammeln begonnen und auch div. alte Verstärker , Endstufen und Receiver in Röhrentechnik gekauft . Leider konnte ich mir damals meinen Traumvorverstärker nicht leisten , den SP 10 von Audio Research . Dann erschien der besagte Artikel von Joe Curcio und ich wußte sofort , dem mußt du bauen ! Bauteilbeschaffung war kein Problem und E 88 CC hatte ich mittlerweile über 600 Stück angehäuft . Nachdem die Platine fertig war ging es ans Bestücken und schließlich an den ersten Hörtest : Ich möchte irgendwelche blumigen Ausdrücke aus HI - Fi Magazinen vermeiden , aber es war der berühmte Vorhang , der endlich fiel . " What is behind that courtain ? " ( Laurie Anderson ) . Leider brummte ein Kanal , es war schließlich eine Leiterbahn , die  im Originallayout etwas unglücklich gelegt war . Mittlerweile habe ich dieses Gerät in diversen Varianten für mich und einige Freunde gebaut und bin immer noch begeistert und zufrieden . Immerhin haben einige Leute dieses Konzept mit leichten Abwandlungen abgekupfert und nennen es nun Ihren Entwurf , andere sagen , daß Mr. Curcio das Konzept vom " Theta  " hat , den ich leider nicht kenne und dessen Schaltung auch nirgends aufzutreiben ist . Wieder andere sagen : " Da ist mir zuviel Sand drin " ( blöder Ausdruck , es gibt sehr gute Transistorverstärker ) . Mir ist das alles ziemlich egal was natürlich nicht heißt , daß ich nicht weiterhin Vorverstärker mit anderen Röhren bauen werde , es muß eben nicht immer ECC 83 oder 6 SN 7 sein , da sind noch viele , unlangweilige Röhren die es zu entdecken gibt . Ich benutze dieses Gerät nun seit vielen Jahren , da ist weder ein Transistor noch ein IC ( aus der Regelung ) ausgefallen , ich habe nur einmal die Röhren gewechselt .

 

Hier ist mein Daniel , in dieser Version ohne die aktive Regelung pro Röhre , die Schaltung ist im Drahtverhau aufgebaut . Das Gehäuse habe ich aus Resten und Abfallblechen zusammengeschraubt , die Frontplatte ist hochglanzverchromtes Messingblech die ich durch Zufall irgendwo gefunden hatte .

 

Details , linker Kanal mit Eingangswahlschalter

 

Rechter Kanal mit Alps - Poti

 

Das ist der Daniel aus dem 1. Bild , links Eingangswahlschalter , Platine mit 6 x E 88 CC und IC - Reglern pro Röhre , rechts auf den Kühlkörpern sind die Heizregler ( kanalgetrennt ) und der Vorregler für die Anodenspannung .

 

Eine andere Version mit mehr Schaltmöglichkeiten

 

 

Dies ist mein 2 . Daniel , den ich selber benutze . Gehäuse ist wieder ein altes Meßgerätegehäuse vom Flohmarkt , Preis 10 DM . Die Knöpfe sind ebenfalls Ausschlachtmaterial , für die Abdeckung habe ich ein Lochblech ( hier nicht im Bild ) passend gemacht .

 

Draufsicht , die Platine ist weitgehend mit dem Original Bauvorschlag identisch ,  die Heizungsregelung ist geändert ( die LM 317 K mit den Fingerkühlkörpern wurden tierisch heiß ) . Links ist der Eingangswahlschalter , rechts daneben Monitor , der 24 - polige Elma - Stufenschalter ganz rechts ist für die Lautstärke zuständig , der Kippschalter links daneben ist noch ohne Funktion , sollte mal für ein Muting - Relais sein . Rechts oben unterhalb der Versorgungsbuchse ist der Gleichrichter für die Heizung , darunter liegt die Drossel für die Anodenspannung . Die Verkabelung ist teflonisoliert ( Vorsicht , Voodoo ) , die Verbindung zur Außenwelt erfolgt mit vergoldeten Cinchbuchsen , die Tuchelbuchsen sind als Option für sym . Ein - und Ausgänge vorgesehen oder für irgend etwas anderes .

Die Hauptplatine mit den sechs E 88 CC , bzw . CCa oder E 188 CC . Die erste Stufe ist als Kaskode geschaltet , dann folgt die passive Entzerrung , dann die zweite Stufe mit E 88 CC parallel , Poti und Umschaltmimik , schließlich die Line - Stufe wieder mit E 88 CC parallel .

 

Der eigentliche Gag dieses Verstärkers ist die getrennte Regelung für jede Röhre , jeweils mit einem OP - Amp und einem Transistor , hier in der Mitte sechsmal zu sehen , die Glimmer und Styroflex C´s sind Teile der genau ausgemessenen Entzerrung . Die Puristen mögen an den Halbleitern Anstoß finden , wer Vintage Sound liebt , soll ruhig bei seinen ECC 83 , EF 86 und 6 SN 7 Entzerrern bleiben , mein Geschmack ist das nicht und über den kann man bekanntlich nicht streiten , liegt mir auch fern . Ich hatte Vorverstärker von Quad , Radford , Fisher und Dynaco , waren alle nicht mein Ding . In einer älteren "The Audio Amateur" Ausgabe gab es mal einen Vergleichstest zwischen dem "Daniel" und dem legendären SP 10 ( 12000 DM ) von Audio Research , der letztendlich auf ein Patt hinauslief . Ich habe das leider nie nachvollziehen können , da ich  nie einen SP 10 besessen habe , aber was nicht ist , kann ja noch werden .

 

Elma , 24 - polig als Lautstärkesteller

 

Regelnetzteil , links und rechts die Kühlkörper für die Heizregler , in der Mitte der Vorregler für die OP - Amps , der Netztrafo ist ausgelagert .

 

Eingangswahlschalter und Tape - Monitor

 

Das Beste ( Gold ) wie immer zum Schluß , links unten die Buchse für die Stromversorgung , die darüber ist nicht belegt .