V 73 Restauration

Vor einiger Zeit erhielt ich von einem Bekannten ein Paar V 73 zur Restauration , bzw . Rückbau in den Originalzustand . Der Vorbesitzer hatte den Endstufenteil von 2 x EL42 auf 2 x E88CC parallel umgebaut ! Da der Rest der Bauteile auch schon sehr vergammelt aussah und einige Widerstände sich wertemäßig verabschiedet hatten , entschloß ich mich zu einer Radikalkur . Mit anderen Worten , alles muß raus . Erhalten blieben also nur die Übertrager , Trafo , Drossel , Selenstabgleichrichter und der MP - Kondensator . Auf den folgenden Bildern sieht man also die Vorher - Nachher - Show . Nachdem alles fertig war und fast alle Meßwerte mit dem Schaltplan übereinstimmten , stellte ich in einem der Einschübe eine starke Abweichung der Anodenspannung fest , ca . 180 - 200 Volt statt rund 300 Volt . Austausch des Stabgleichrichters brachte nicht den gewünschten Erfolg , die Spannung des Netztrafos war auch in Ordnung , sodaß nach längerer Suche nur noch der MP - Kondensator übrig blieb , der dann auch der Schuldige war . Witzigerweise war es der erste Siemens - MP , den ich jemals in einem V 73 gesehen habe , alle anderen waren von Bosch und funktionsfähig . Das soll nun nicht heißen , daß die Siemens MPs schlecht sind , aber komisch war es schon und ich werde in Zukunft bei der Restauration dieser Verstärker allgemein mehr auf die MPs achten , die ich bisher immer für unkaputtbar hielt , egal welches Fabrikat verbaut war . Man lernt eben nie aus .

Der Vorbesitzer hatte auch die Tuchel - Messerleiste entfernt und in den verbliebenen Ausschnitt Lautsprecherbuchsen in Vollmessing und Cinchbuchsen eingebaut , für das Netzkabel diente eine Extrabohrung ohne Durchführungstülle und mit einer sicher nicht VDE - konformen Zugentlastung . Diese Grütze wurde auch komplett entfernt und durch ein Kunststoffkästchen ersetzt , in das Netzkabel und Schalter sowie XLR - Buchse und Lautsprecherbuchsen eingebaut wurden . Die Netzspannung führenden Leitungen wurden alle mit Schrumpfschlauch isoliert und in ausreichendem Abstand von den Ein - und Ausgängen verlegt . Ein kleiner Netzfilter in Kondensatorgröße ( auf den Fotos nicht sichtbar ) fand auch noch Platz in dem vollgepackten Gehäuse .

 

Der Zustand eines V 73 vor dem Umbau .

 

 

 

Hier nochmal als Nahaufnahme , man sieht die rissigen 2 Watt , 100 kOhm Widerstände die in der Gegenkopplung sind .

 

Ganz nah !

 

Details des Netzeingangs mit den "High - End" Lautsprecherbuchsen

 

 

 

 

 

Die ersten Bauteile sind erneuert , keramische Rimlock - Fassungen eingebaut und alle Bröseldrähte ausgewechselt . Das verdrillte Kabel geht zur Kontrollampe und muß noch verstaut werden .

 

 

 

Den hinteren , fertigen V 73 aus meinem Bestand nahm ich als Vorlage für den Rückbau , das spart Zeit und man muß nicht immer den Schaltplan vor Augen haben .

 

Vorne das aktuelle Restaurationsobjekt , hinten mein V 73 , den ich ständig benutze .

 

Fast fertig , einige Teile werden noch erneuert und einige Drähte fehlen noch .

 

Fertig !

 

Für die Widerstände in der Gegenkopplung nahm ich 100 k , 2 Watt Metalloxyd , die alten Koppelkondensatoren waren leider nicht mehr vorhanden , sodaß ich da passenden Ersatz finden mußte .

 

Details des neuen Siebelkos , da ich keinen passenden hatte , habe ich 2 Stück parallel geschaltet , der Stabselengleichrichter war in Ordnung und blieb drin . Rechts ist auch schon die Anschlußbox mit dem neuen Netzkabel zu erkennen .

 

Draufsicht , das Eingangskabel war wegen der fehlenden Messerleiste zu kurz geworden und wurde durch ein Teflon - Kabel mit doppeltem Schirm ersetzt ( das rote............ ) .

 

Details rund um den Netzeingang mit neuer Erdung ( der V 73 hat eigentlich 3 Massen ; innere , äußere und Signal , die erst im Gestell zusammengefaßt werden ) .

 

Das stolze Werk des Meisters............;-) !

Arbeitszeit rund 20 Abende für ein Paar V 73 , dann kommt noch der Klirrfaktorabgleich mit Generator und Meßbrücke  und eine ausgiebige Hörsitzung mit viel Kaffee .

 

 

Anschlußbox mit XLR - Eingang und Lautsprecherbuchsen

 

 

 

 

 

So , das war es . Ich hoffe , daß die Bilder für alle zukünftigen V 73 Besitzer und Restaurateure hilfreich sind und Mut machen , die alten Kisten zu neuem Leben zu erwecken . Es ist keine sehr schöne Arbeit , in dem engen Gehäuse zu arbeiten , aber die Mühe wert . Ich habe bei meinen ersten Restaurationen die alten Widerstände unbesehen drin gelassen , Messungen bei dem aktuellen Objekt ergaben jedoch erhebliche Abweichungen , sodaß ich in Zukunft mehr darauf achten werde . Man darf nicht vergessen , wie heiß diese Geräte früher im Studiobetrieb gefahren wurden , das macht auf Dauer kein Bauteil mit . Ich wundere mich selber immer wieder , daß die Trafos und Übertrager das aushalten !